Moppel-Deutschland bewegt sich zu wenig

Für eine gesunde Lebensweise soll man sich ausgewogen ernähren und körperlich betätigen. Doch in Deutschland klappt beides nicht. Nach einer neuen Studie lebt nur jeder Siebte so gesund wie er sollte.

 

 "Lieber moppelig und fit als schlank und unfit" - so lautet das Motto vonIngo Froböse. Der Gesundheitsexperte von der Kölner Sporthochschule möchte die Deutschen zwar zu einer gesünderen Lebensweise bewegen, aber das richtige Gewicht sei nur die halbe Miete. Gesunde Ernährung nutze wenig ohne regelmäßige körperliche Aktivität: "Essen und trimmen - beides muss stimmen", betont Froböse. Angesichts einer neuen wissenschaftlichen Studie, die er am Dienstag in Berlin vorstellte, sieht der Forscher allerdings in beiden Bereichen erhebliche Defizite.

Im Auftrag der Krankenversicherung DKv hatte dieSporthochschule 2500 Deutsche zu ihren Lebensgewohnheiten befragt, und das Ergebnis ist ernüchternd: Lediglich 13,9 Prozent der Bundesbürger leben rundum gesund. Nur jeder Siebte erfüllt alle fünf Grundkriterien für eine gesunde Lebensweise: genug Bewegung, ausgewogeneErnährung, wenig Alkohol, keine Zigaretten und kein Stress.

Schlusslichter in der Statistik: "Currywurst-Länder"

Doch die Hälfte der Deutschen ernährt sich noch nicht einmal richtig. Sie essen zu wenig Obst, Gemüse und Fisch, dafür zu viel Fleisch und Süßigkeiten. Am besten schneiden bei der Ernährung noch dieThüringer ab, gefolgt von mehreren norddeutschen Ländern, wo öfter frischer Fisch auf den Tisch kommt. Schlusslichter in dieser Statistik sind die - wie Froböse sie nennt - "Currywurst-Länder" Nordrhein-Westfalen und Berlin. Allerdings weist der Forscher auch darauf hin, dass die Currywurst per se nicht ungesund sei - sie dürfe nur nicht jeden Tag gegessen werden. "Die Dosis macht das Gift."

Auch bei der körperlichen Aktivität stellt die Studie den Deutschen kein gutes Zeugnis aus. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, sich an fünf Tagen in der Woche wenigstens eine halbe Stunde zu bewegen. Das müsse noch nicht einmal intensiver Sport sein, sondern es könne auch reichen, den Weg zur Arbeit mit dem Rad zurückzulegen, erklärte Froböse.

Europa: 600 000 Menschen sterben als Folge von Bewegungsmangel

Doch viele erreichen noch nicht einmal diese Mindestkriterien. 37,2 Prozent der Befragten gaben an, dass sie niemals länger als zehn Minuten zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren. Während der durchschnittliche Mecklenburger pro Woche immerhin fast anderthalb Stunden zu Fuß oder per Rad unterwegs ist, bringen es die Menschen in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen gerade einmal auf insgesamt 45 Minuten. Dabei sterben nach WHO-Angaben in Europa jedes Jahr 600 000 Menschen als Folge von Bewegungsmangel.

Dass viele Deutsche lieber ins Auto steigen statt mit dem Rad zu fahren oder zu Fuß zu gehen, führt Froböse aber nicht nur auf Faulheit zurück, sondern auch auf die Verkehrssituation - vor allem in den Großstädten: «In Köln werde ich überfahren, wenn ich auf die Straße gehe.» Deshalb gehören gut ausgebaute Radspuren, sichere Fußgängerwege und beleuchtete Joggingstrecken zu den umfangreichen Handlungsempfehlungen, die die Sporthochschule und die DKV gemeinsam mit der Studie präsentierten.

 

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