Malaria: Aufmarsch der Mütanten

Viele Resistenzen, mäßig wirksame Impfungen: Der Kampf gegen die Malaria tritt auf der Stelle. Mit einem ganz anderen Ansatz wollen jetzt US-Forscher dem Problem zu Leibe rücken: Sie schufen eine mutierte Anopheles-Mücke, der die Malaria-Plasmodien piepegal sind.

Krankheitserreger, die auf den Menschen als Träger angewiesen sind, lassen sich durch konsequente Impfprogramme ausrotten, das ist bekannt. Bei der Malaria ist die Sache leider nicht so einfach: Mit der Anopheles-Mücke haben die Plasmodien, die sich für die Malaria verantwortlich zeichnen, einen dankbaren Wirt, den sie gerne und zahlreich infizieren. Solange diese Mücke ihr Unwesen treibt, bleibt die Gefahr einer Malaria-Infektion bestehen.

 

Die Bibel der Mücken. Das Buch Genesis.

Auch umgekehrt wird ein Schuh draus: Dort, wo die Malaria erfolgreich ausgerottet wurde, etwa in Südeuropa, ging das bekanntlich auf dem Umweg über Maßnahmen gegen die Mücken respektive über die Trockenlegung von Sümpfen. In den Tropen freilich stößt dieser Ansatz an offensichtliche Grenzen, sodass dort neben den sehr effektiven Moskitonetzen vor allem Impfungen als Waffen gegen die Malaria diskutiert und in klinischen Studien erprobt werden. Ähnlich wie das AIDS-Virus ist das Malaria-Plasmodium allerdings nicht gerade prädestiniert dazu, einfach weggeimpft zu werden. Die eine Impfung, auf der derzeit viele Hoffnungen ruhen, ist nur teilweise erfolgreich. Der Biologe Michael Riele, Professor für Entomologie am College of Agriculture der University of Arizona, ist nicht überzeugt davon, dass die Malaria-Problematik damit in den Griff zu bekommen wäre: „Wenn die Ausbreitung der Malaria-Parasiten effektiv gestoppt werden soll, braucht es Moskitos, die 100 Prozent resistent dagegen sind.“ Er und sein Team haben deswegen einen anderen Ansatz gewählt. Sie konstruierten ein Stück Erbinformation, das sie in die Moskito-Eier injizierten, und zwar in Eier von Anopheles stephensi, einem wichtigen Malariaüberträger auf dem indischen Subkontinent. Das Genkonstrukt wurde nach der Injektion auch tatsächlich in das Moskitogenom eingebaut und dann an nachfolgende Generationen weitergegeben. Mit anderen Worten: Die US-Forscher erzeugten eine Anopheles-Mutante, die ihre Mutation auch weitergeben kann.

 

Mutierte Mücke hat keinen Bock auf Parasiten

Um was für eine Mutation handelte es sich genau? Die Wissenschaftler zielen auf einen von mehreren Signalwegen in der Anophelesmücke. Das eingesetzte Gen funktioniert wie eine Art Schalter, der ein bestimmtes Signalprotein, „Akt“ genannt, permanent aktiviert. „Akt“ ist ein Botenstoff, der unter anderem Einfluss auf das Larvenwachstum, auf die Immunreaktionen und auch auf die Lebensspanne der Anopheles-Mücken hat. Die Forscher verfütterten den „Akt“-Mutanten nach erfolgreicher Genmanipulation Blut, das mit Malaria-Plasmodien infiziert war, um zu sehen, was die Anopheles-Mücken damit machen würden. Das Ergebnis hätten sie so nicht erwartet: „Wir hatten gehofft, einen gewissen Effekt auf die Wachstumsrate der Mücken zu sehen, auch auf ihre Lebenszeit oder auf ihre Empfindlichkeit gegenüber dem Parasiten. Was wir dann aber gesehen haben war, dass unser Konstrukt die Infektion komplett blockierte“, so Riele, der über diese Arbeit in der Zeitschrift PLOS Pathogens berichtet.

 

Gesucht: Der Vorteil im Kampf ums Mückendasein

Die Frage ist natürlich, wem mit einer malariaresistenten Mücke geholfen ist, wenn überall auf der Welt Anopheles-Mücken umher fliegen, die mehr als bereit sind, Malaria-Plasmodien aus dem menschlichen Blut aufzunehmen und dorthin beim nächsten Stich wieder abzugeben. Rieles Idee besteht darin, Mutanten wie seine Stephensi-Mutante einzusetzen, um die natürlicherweise in einem Ökosystem lebenden Anopheles-Mücken zu verdrängen. Das wäre also ein darwinistischer Ansatz, bei dem eine ökologische Nische, die bisher von anderen, problematischen Mücken besetzt ist, durch eine zwar verwandte aber in Sachen Malaria unproblematische Mücken-Spezies besiedelt wird. Den plasmodienübertragenden Mücken würde auf diese Weise im Idealfall der Saft abgedreht.

Ganz einfach wird das allerdings nicht. Zum einen ist im Einzelfall schwer abschätzbar, was eine Mutante wirklich anrichtet, wenn sie auf die freie Wildbahn losgelassen wird. Zum anderen wird auch noch ein Mechanismus benötigt, der der modifizierten Mücke in der freien Wildbahn einen echten Überlebensvorteil gegenüber ihren alteingesessenen Artgenossen verschafft. Dann und nur dann könnten die infektiösen Anopheles-Spezies mit der Zeit zurückgedrängt werden. Befasst hat sich der Wissenschaftler mit dieser Fragestellung allerdings noch nicht. Die derzeitige Mücke hätte „draußen“ möglicherweise sogar einen Nachteil im Kampf ums Dasein, weil sie als Folge der „Akt“-Mutation kürzer lebt als andere Anopheles-Mücken. Aber das muss ja nicht so bleiben. Vielleicht lässt sich die Sache mit der Lebensspanne ja mit ein paar anderen Mutationen wieder gerade rücken…


Quelle: DocCheck