Rheuma-Liga: Chronisch Kranke brauchen Krankengymnastik
Frühe und effektive ambulante Versorgung zahlt sich aus.

Rheuma hat viele Gesichter und ist fest im Krankheitserleben der Deutschen verankert. Allein Fünf Millionen Menschen leiden an Arthrosen. Mit der am häufigsten auftretenden entzündlichen Erkrankung, der rheumatoiden Arthritis, müssen sich 800.000 Betroffene auseinandersetzen. Die Krankheiten verursachen hohe Kosten, die Patienten und Gesellschaft tragen müssen. Kürzlich informierte die Deutsche Rheuma-Liga Bundestagabgeordnete, Vertreter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV) und medizinischer Fachgesellschaften über die finanzielle Situation Rheumakranker und den aktuellen Versorgungszustand.

Mehr als 100 Euro im Quartal müsse jeder Betroffene für seine Gesundheitsversorgung selbst beisteuern, erklärte Rheuma-Liga-Vizepräsidentin Rotraut Schmale-Grede. Arbeitslosen- und Soziahilfeempfänger würden die Ausgaben besonders hart treffen. Viele Rheumapatienten befänden sich in Notlagen oder verarmen.

Teuer kommen die Rheumaerkrankungen auch die Gesellschaft zu stehen. Die Behandlung eines Patienten mit rheumatoider Arthritis beispielsweise kostet jährlich 4.733 Euro. Summiert man die Folgekosten für Arbeitsausfälle oder Frühverrentungen sind es 15.637 Euro. Häufigste Ursachen für Schwerbehinderungen seien Funktionsdefizite der Extremitäten und der Wirbelsäule. Ligavorstandsmitglied Helga Jäniche beklagte das "stiefmütterliche Dasein" der Arthrosekranken. Therapieleitlinien würden nicht konsequent umgesetzt.

Studien zeigten zwar deutliche Fortschritte bei Diagnostik und Therapie, und die Patienten kämen inzwischen auch früher in die Hände eines Facharztes, aber noch mangele es "an einer bedarfsgerechten Zulassung für die internistische Rheumatologie durch die Kassenärztlichen Vereinigungen und am Nachwuchs", kritisierte Professor Heinz Raspe, Sprecher der Kommission Versorgung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh).

Die Rehabilitation Rheumakranker zeichne sich durch Zugangsbarrieren aus, bemängelte Professor Wilfried Mau. Dies belege eine aktuelle Studie. Die Autoren raten, bei der Langzeitbetreuung chronisch Kranker vermehrt "Krankengymnastik, Funktionstraining, Patientenschulung und Rehabilitationsmaßnahmen" zu nutzen.

Eine frühe und effektive ambulante Versorgung zahle sich letztlich für alle aus, betonten die Funktionäre der Rheuma-Liga – Betroffene und die Gesellschaft.